Fokusthema April 2022Green Deal für kleine und mittlere Unternehmen

23. März 2022

Green Deal – was steckt dahinter?

von Melanie Gralow und Sophie von Stralendorff

Klimawandel, Umweltverschmutzung und Artensterben – das sind einige der großen aktuellen Herausforderungen, mit denen unsere Gesellschaft zunehmend konfrontiert wird. Um diesen gezielt und effizient begegnen zu können, hat die EU-Kommission im Dezember 2019 den sogenannten europäischen „Green Deal“ vorgestellt. Dieser zeigt konkrete Maßnahmen auf, um einen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel für eine neue Wachstumsstrategie zu initiieren. Übergeordnetes Ziel ist es, bis zum Jahr 2050 den Übergang hin zu einer klimaneutralen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft zu schaffen. Angestrebt wird, Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen. Die dafür vorgesehenen Maßnahmen sind auf verschiedene thematische Bereiche ausgerichtet, die die jeweiligen Akteure wiederum vor neue Anforderungen stellen, aber auch neue Chancen mit sich bringen.

Für die Wirtschaft bedeutet das in erster Linie Modernisierung und Umgestaltung hin zur Klimaneutralität. Neben den sonst oft negativen Nachrichten mit Blick auf die Erreichung von Klimazielen sind an dieser Stelle erste Erfolge zu verbuchen: Zwischen 1990 und 2018 konnten die Treibhausgasemissionen in der EU um 23% gesenkt werden, während die Wirtschaft gleichzeitig um 61% wuchs[1].

[1]Europäische Kommission (2019): resource.html (europa.eu)

Die weitere Reduktion ist jedoch unabdingbar, konkret sieht die EU eine Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55% gegenüber 1990 vor und macht damit den Handlungsbedarf für die nächsten 8 Jahre sehr deutlich. Aber was genau bedeutet das nun für die Unternehmen in Deutschland?

Erste Orientierung im Dschungel der Maßnahmen

Angesichts der vielen neuen Regelungen, geplanten Transformationsschritte und einer Flut an Informationen sehen sich besonders die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) verständlicherweise schnell überfordert. Das Steinbeis Europa Zentrum hat in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg Informationen zusammengestellt, die als Lotse dienen können, um eine Orientierung zum Green Deal aus Unternehmensperspektive zu liefern. Das Steinbeis Europa Zentrum steht Ihnen als erste Anlaufstelle zur Verfügung. Der Bereich Industrie steht dabei besonders im Fokus.

Was bedeutet der Green Deal für die mittelständische Industrie?

Die im Mai 2021 aktualisierte EU-Industriestrategie, welche zur Umsetzung des Green Deals beiträgt, verbindet die Lehren aus der Corona-Pandemie mit Maßnahmen für einen industriellen Wandel hin zur so genannten “Twin Transition”, dem Wandel zu einer grünen und gleichzeitig digitalen Wirtschaft. Dabei stehen besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Fokus, da sie zu den stärksten Innovationstreibern zählen.

In der aktualisierten Industriestrategie ist die Schaffung von sogenannten ‚wirtschaftlichen Transformationspfaden‘ vorgesehen, welche als Leitlinie für diesen doppelten Wandel angesehen werden können.        

Was ist ein ‚Transformationspfad‘ und inwiefern ist dieser relevant für mein Unternehmen?

Insgesamt wurden 14 industrielle Ökosysteme definiert, für die gemeinsam mit den entsprechenden Stakeholdern aus Industrie, Behörden, Sozialpartnern und anderer Interessengruppen Transformationspfade entwickelt werden. Ziel der Transformationspfade ist ein besseres Verständnis des Umfangs, der Kosten und des langfristigen Nutzens der gewünschten Maßnahmen im jeweiligen Industriesektor. Für die Unternehmen ergeben sich dadurch bessere Planbarkeiten, die vorausschauendes Handeln und eine gezielte Vorbereitung zur Transformation ermöglichen. Im Februar 2022 wurde der erste Transformationspfad für den Sektor Tourismus finalisiert. Weitere Sektoren folgen demnächst.

Die anvisierten Maßnahmen sind in Form von konkreten, zum Teil auch quantifizierbaren Zielen und einer zeitlichen Einordnung in den entsprechenden Transformationspfaden zu finden. Die Tatsache, dass erst im Februar diesen Jahres der erste Transformationspfad veröffentlicht wurde und die verbleibenden 13 in Kürze folgen sollen, zeugt von der Aktualität des Themas. Das Steinbeis Europa Zentrum unterstützt KMU in Baden Württemberg gerne und bietet an, über relevante Neuerungen auf dem Laufenden zu bleiben.

Wo finde ich finanzielle Unterstützung für nachhaltige Innovationen?

Das vor Kurzem gestartete EU-Forschungs- und Innovationsförderprogramm Horizont Europa (2021-2027) bietet Finanzierung für neue Technologien, nachhaltige Lösungen und disruptive Innovationen an und adressiert dabei bewusst nachhaltige Innovationen. Innerhalb des Programms gibt es u.a. speziell auf den Green Deal ausgerichtete „Grüne Partnerschaften“ und „Grüne Missionen“. Weitere Informationen zum Thema Nachhaltigkeit sowie Hilfestellungen, Förderprogramme und aktuelle Ausschreibungen finden Sie auch auf unserer Website.

Wo finde ich relevante Informationen zu den wichtigsten Dokumenten?

Auf der offiziellen Website zum Green Deal findet sich eine Auflistung der verschiedenen Maßnahmenbereiche und der dazugehörigen wichtigsten Dokumente. Für die Unternehmen besonders relevante Kerndokumente sind:

Enterprise Europe Network als zentrale Anlaufstelle für KMU

Das Enterprise Europe Network bietet darüber hinaus durch die Bündelung der Kompetenzen einzelner Mitglieder eine wertvolle Anlaufstelle bei Fragen und der Suche nach Unterstützung für Unternehmen. Verschiedene Veranstaltungen gehen in diesem Rahmen dem Thema Nachhaltigkeit näher auf den Grund und das Angebot hierzu wird kontinuierlich weiter ausgebaut. So wurden zum Beispiel im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche vom 28. – 31. März 2022 Online-Workshops angeboten, um anhand konkreter Beispiele darzulegen, wie Unternehmen einen nachhaltigen Wandel vollziehen können. Kleine und mittlere Unternehmen sind herzlich dazu eingeladen, im Rahmen des Enterprise Europe Network das Thema Nachhaltigkeit auf Seiten der Unternehmen gemeinsam mitzugestalten und von einem stetig erweiterten Angebot zu profitieren.

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Melanie Gralow
Alexandra Fezer
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