Fortschrittliche Werkstoffe, Nano- und Oberflächentechnologien

Angesichts des globalen Wettbewerbs und der zunehmenden Knappheit an Ressourcen steht Europa vor großen Herausforderungen. Im Bereich industrielle Technologien und neue Materialien stehen die sogenannten Schlüsseltechnologien (KET - Key Enabling Technologies) im Fokus: Diese sind u.a. “Mikro- und Nanoelektronik”, “Nanotechnologien“, „Photonik“, „Fortschrittliche Werkstoffe“, “Industrielle Biotechnologie“, und „Produktions- und Verfahrenstechniken”. Länder und Regionen, die diese Schlüsseltechnologien beherrschen, werden eine führende Rolle bei der Umstellung auf ein wissensgestütztes Wirtschaftssystem mit geringen CO2-Emissionen einnehmen.

Nanotechnologien werden immer wichtiger zum Beispiel für die Elektronik, Medizin, Fahrzeuge und Bau. Forschung in diesem Bereich wird zu neuen Produkten und Dienstleistungen führen. Fortschrittliche Werkstoffe sind Werkstoffe mit neuen Funktionalitäten und verbesserten Eigenschaften, die es ermöglichen, nachhaltig einen Mehrwert für bestehende Produkte und Prozesse zu schaffen. Im Mittelpunkt der Forschung kann das Material selbst (z. B. Biomaterialien) stehen, der Industriebereich (z.B. Metallurgie) oder eine gezielte Anwendung (z. B. Energie, Gesundheit, Verkehr).

Die Themenbereiche Nanotechnologien und neue Werkstoffe werden im Förderzeitraum 2014 - 2020 von verschiedenen EU-Programmen gefördert:

Horizont 2020:

  • in der Priorität „Wissenschaftsexzellenz“ für Spitzenforschung mit rein wissenschaftlich motivierter Themenwahl
  • in der Priorität „Führende Rolle der Industrie“ (LEIT) - zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie (mit Schwerpunkt auf den KET)
  • in der Priorität „Gesellschaftliche Herausforderungen“ zur Bewältigung großer gesellschaftlicher Herausforderungen, die von der Politik zum Wohl der Menschheit identifiziert werden
  • Förderung ist auch durch die so genannten Public Private Partnership (PPP) - Initiativen möglich: FoF – Factories of the Future, EeB – Energy efficient Buildings, SPIRE – Sustainable Process (Querschnittsthemen über mehrere Prioritäten)
  • Vor allem in LEIT werden industriegetriebene Projekte mit hohem Verwertungspotenzial gefördert, sowohl Technologieentwicklungs- und Innovations- als auch reine Innovationsmaßnahmen, wobei letztere einen noch höheren Wert auf Demonstration in industrierelevanter Umgebung legen. Neu ist in Horizont 2020, dass die Marktfähigkeit der entwickelten Lösungen nun systematisch an sogenannten „technology readiness levels“ (TRLs) gemessen wird.

Führende Rolle der Industrie

Der Schwerpunkt der Förderung durch Horizont 2020 liegt in der Priorität "Führende Rolle der Industrie", im Bereich: 5. Leadership in enabling and industrial technologies - ii. Nanotechnologies, Advanced Materials, Biotechnology and Advanced Manufacturing and Processing“ (NMBP)

Für die 52 Ausschreibungsthemen des NMBP Programmteils (2016-2017) steht ein Gesamtbudget von rund 588 Mio. € zur Verfügung. Besonders hervorgehoben wird der Innovationsansatz: die Fördermittel sollen vor allem dazu dienen, erfolgversprechende Forschungsergebnisse in die industrielle Praxis zu überführen.

Die klassischen NMBP-Themen greifen dabei die Aspekte Gesundheitswesen, Energieeffizienz und low-carbon Energietechnologien auf, suchen den Brückenschlag von Nanotechnologie-Forschung und Markterschließung und erkunden das kombinierte Potential von Nanotechnologie und neuen Werkstoffen, um Wettbewerb und Nachhaltigkeit voranzutreiben. Nicht zuletzt werden Nanosicherheit und die regulatorische Entwicklung sowie Standardisierung, Modellierung und Strukturierungsmaßnahmen in NMBP in den Ausschreibungen thematisiert. Ebenso wird die Suche nach neuen nachhaltigen Geschäftsmodellen gefördert.

Darüber hinaus sind im Arbeitsprogramm Querschnittsthemen der Public-Private-Partnerships (PPP) zu Factories of the Future (FoF), Energy efficient Buildings (EeB) und Sustainable Process Industries (SPIRE) enthalten.

Als spezielle Querschnittsmaßnahme für die Schlüsseltechnologien werden Pilotproduktionslinien (PILOTS) gefördert.

Schließlich werden noch marktnahe, wirtschaftsgetriebene, industrielle Verbundprojekte ohne thematische Einschränkung über die Pilotmaßnahme Fast Track to Innovation (FTI) gefördert und können jederzeit eingereicht werden. FTI bietet für Antragstellende ein Sprungbrett, um fortgeschrittene neue Ideen schnell in marktfertige Produkte, Verfahren, Dienstleistungen, Geschäftsmodelle oder ähnliches zu transferieren. Gesucht werden interdisziplinäre und transsektorale Ansätze. Dabei zielt FTI auf technologische Durchbrüche und Service-Innovationen ab.

Das Antragsverfahren kann ein- oder zweistufig verlaufen. Bei den Förderinstrumenten wird zwischen “Research & Innovation Action“ (i.d.R. 100 % Förderquote),„Innovation Action“ (meist 70 %Förderquote) und “Coordination and Support Action“ (meist 100 % Förderquote) unterschieden.

Förderinstrument für KMU

In Horizont 2020 wurde ein spezielles Förderinstrument für KMU implementiert, das die Antragseinreichung auch von Einzelunternehmen erlaubt. Das NMPB-Arbeitsprogramm sieht hierbei die Unterstützung der KMU bei der Umsetzung bzw. Verwertung von Forschungsergebnissen in industriellen Anwendungen. Das Thema der Ausschreibung für 2016-2017 lautet: “Accelerating the uptake of nanotechnologies, advanced materials or advanced manufacturing and pro-cessing technologies by SMEs“.

Künftige und neu entstehende Technologien

Für forschungszentrierte Projekte stehen die themenoffenen Ausschreibungen im Bereich "Künftige und neu entstehende Technologien"(Future and Emerging Technologies - FET) in der Säule  „Wissenschaftsexzellenz“ zur Verfügung. Der Schwerpunkt liegt hier auf exzellenzorientierter, visionärer und risikobehafteter Forschung zur langfristigen Umsetzung radikaler neuer Technologiekonzepte. Vor allem der themenoffene und interdisziplinär ausgerichtete Programmteil „FET open“ bietet Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen die Möglichkeit, neue bahnbrechende Forschungsthemen in europäischen Verbundprojekten zu bearbeiten.

 

Kontakt

Portrait Sabine Müller
Dr. Sabine Müller
0721 93519 137
Portrait María Sol Rau
Dr. María Sol Rau
0711 123 4036

Die Programme ERA NETS, EUREKA Cluster und eurostars sowie nationale Programme bieten weitere Fördermöglichkeiten.

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