Die Verpackung von Morgen - Essen statt Wegwerfen

„Der Kunde soll organ­oleptisch und optisch nichts merken“

Die Redaktion der Transfer im Gespräch mit Hartmut Welck, Senior Project Manager der Steinbeis 2i GmbH

Herr Welck, die Idee einer essbaren Verpackung ist an sich nicht neu, so entwickelte zum Beispiel das italienische Kaffeeunternehmen Lavazza bereits 2003 den „Cookie Cup“ für seinen Espresso. Aber bis jetzt fand diese Art von Verpackungen keine breite Anwendung. Woran lag es Ihrer Meinung nach und wie wollen Sie in dem von der Steinbeis 2i initiierten Projekt die Akzeptanz dafür schaffen?

Die Lebensmittelverschwendung ist derzeit ein großes Thema, allein in Deutschland werden rund 13 Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich weggeworfen, das sind im Durchschnitt etwa 85 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf. Viele von den weggeworfenen Lebensmitteln sind aber weiter verwendbar, da oft nur das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist oder die Lebensmittel optische Fehler haben. Die weggeworfenen Lebensmittel haben zudem eine negative Implikation auf den CO2-Ausstoß.

Neben dem Ziel der Reduktion von Nahrungsmittelverschwendung, dem sich auch die Bundesregierung verpflichtet hat, hat sich aktuell eine klimafreundliche Ernährung – möglichst verpackungsarm/-frei – zu einem Trend entwickelt. Dies ist nicht mit 2003, als Lavazza die Idee des „Cookie Cups“ präsentierte, zu vergleichen. Nach einer Umfrage von Statista im Jahr 2017 wollen 87 % der Deutschen verpackungsfrei einkaufen, wenn es die Möglichkeit dazu gäbe.

An dieser Stelle kommen wir mit unserer essbaren Beschichtung ins Spiel: Sie soll zunächst für frisches Obst als geschmacksneutraler Überzug entwickelt werden und nur aus lebensmittelrechtlich zugelassenen natürlichen Inhaltsstoffen bestehen. Der Kunde soll also organoleptisch und optisch nichts merken.

Welche Chancen, aber auch Risiken bieten essbare Verpackungen?

Essbare Beschichtungen können einen großen Vorteil in Sachen Haltbarkeitsverlängerung, aber auch Reduktion von Verpackungsmaterial, zum Beispiel bei der Lagerung und beim Transport, bewirken. Die Risiken liegen eher bei der Verbraucheraufklärung, aber auch hier haben wir gute Argumente für essbare Beschichtungen. Wir wollen über eine Lebenszyklus-Analyse aufzeigen, wieviel CO2 eingespart worden ist.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen bei der Umsetzung?

Die größte Herausforderung liegt bei der Entwicklung einer optimalen Formulierung und des exakten homogenen Auftragens der essbaren Verpackung auf die unterschiedlichen Oberflächengegebenheiten. Ebenso müssen bisherige Verfahren der Beschichtung, wie zum Beispiel Spritz-/Sprüh-/Walz-/Tauchtechnik, auf die ausgewählten Medien angepasst beziehungsweise weiterentwickelt werden. Projekte in diesem Bereich benötigen daher immer einiges an Test- und Entwicklungsaufwand.

Erfahren Sie mehr im Beitrag der Transfer:

Quelle: Die Verpackung von morgen: Essen statt wegwerfen – Steinbeis Transfer-Magazin

Portrait Hartmut Welck
Hartmut Welck
0711 123 4031

Hartmut Welck ist Senior Projektmanager im Bereich Bioökonomie, Ernährung, industrielle Biotechnologie und Innovationsmanagement bei der Steinbeis 2i GmbH. Er berät Unternehmen, insbesondere KMU zu Innovationsmanagement, EU-Förderung, Antragstellung, strategischen Partnerschaften und Durchführung von Projekten. Im Herbst 2020 hat er das ZIM Netzwerk zu essbaren Verpackungen ins Leben gerufen.

Darüber hinaus wirkt Hartmut Welck als Berater im Themenfeld Technologietransfer bei der ClusterAgentur Baden-Württemberg mit. Die ClusterAgentur unterstützt die Cluster-Initiativen und landesweiten Netzwerke sowie das Clustermanagement in Baden-Württemberg.

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