InterviewSkills in der Wissenschaftskommunikation - Interview mit Jacqueline Fritz
Jacqueline Fritz arbeitet am Steinbeis Europa Zentrum als Projektleiterin an unterschiedlichen EU-Forschungs- und Innovationsprojekten mit Fokus Digitalisierung und Industrie 4.0. In der Projektarbeit ist sie verantwortlich für die Kommunikation und Verbreitung der Forschungsergebnisse. Im Interview beleuchtet sie die Rolle der Wissenschaftskommunikation.
Warum sollte man über Forschungsergebnisse und Innovationen kommunizieren?
Forschung findet im Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen statt, das heißt, sie greift zentrale gesellschaftliche Fragen auf und sucht nach Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen. Kommunikation von Forschungsergebnissen ist in erster Linie ein „sichtbar machen" dieser Forschungsarbeit über den akademischen Fachbereich hinaus, wodurch sie wieder an die breitere Gesellschaft rückgekoppelt werden kann, z.B. indem sie in politische Diskurse einfließt, die Ausbildung von SchülerInnen oder Fachkräften mitgestaltet, oder auch Investitionen anregt.
Darüber hinaus kann die Kommunikation von Forschungsergebnissen auch das gesellschaftliche Bild von Forschung und ForscherInnen schrittweise verändern und beispielsweise ForscherInnen im MINT Bereich bekannter machen, und damit Stereotype und Vorurteile aufbrechen.
Warum braucht man Kommunikation in EU-Projekten?
Tatsächlich ist das eine Frage, die mir oft gestellt wird! Für die EU spielt die Kommunikation der Projektaktivitäten und der Projektergebnisse eine zentrale Rolle und ist verpflichtend für alle Projektpartner, nicht nur für den Kommunikationspartner im Projekt. Denn letztlich kann das Projekt nur so viel und so gut nach außen kommuniziert werden, wie die Projektpartner nach innen über ihre Aktivitäten kommunizieren, und dazu beitragen, ein verständliches, spannendes Bild des Projekts zu vermitteln. Die Projektkommunikation schließt immer eine breitere Vermittlung von komplexeren technischen bzw. wissenschaftlichen Themen wie zum Beispiel Mensch-Roboter Kollaboration, oder Emissions Reporting, ein, und fördert damit wissenschaftliche Bildung.
Hinzu kommt, dass EU-Projekte mit öffentlichen Geldern finanziert werden. Durch die Kommunikation der Projektergebnisse wird diese Investition also an die Gesellschaft „zurückgegeben".
Auf einer strategischen Ebene sorgt die Kommunikation in EU-Projekten dafür, dass Themen und Ergebnisse über das Ende des Projekts hinaus relevant bleiben und beispielsweise in europäische Strategien, Unternehmenspraxis und gesellschaftliche Debatten einfließen.
Was sind die Zielgruppen?
In EU-Projekten wollen wir zum Einen mit einem Fachpublikum sprechen, das an denselben oder ähnlichen Themen arbeitet, mit denen sich das jeweilige Projekt beschäftigt. Dazu gehören ForscherInnen, Unternehmen, Cluster, NGO, aber auch politische EntscheidungsträgerInnen und Standardisierungsgremien.
Zum Anderen sprechen wir auch weniger fachspezifische Gruppen wie BürgerInnen, Studierende, SchülerInnen oder auch Bildungseinrichtungen an und sensibilisieren für interessante Projektthemen, die eine gesellschaftliche Relevanz haben.
Es gilt hier also einen großen Spagat in der Kommunikation zu machen, in der wir diese Zielgruppen jeweils in verschiedenen Sprachen und durch unterschiedliche Strategien und Kanäle gezielt ansprechen möchten.
Was sind weitere Herausforderungen?
Eine größere Herausforderung besteht häufig darin, Projektpartner davon zu überzeugen, nicht nur über Forschungsergebnisse, sondern auch über den Forschungs- oder Innovationsprozess zu kommunizieren, also die Schritte, die zu diesen Ergebnissen führen. Über "unfertige" Prozesse zu berichten löst bei Forschungs- und Industriepartnern Bedenken in Bezug darauf auf, sensible Informationen weiterzugeben. Es braucht also Vertrauen zum Kommunikationspartner und sorgfältiges Vorgehen, um ein Gleichgewicht zwischen offener Kommunikation und notwendigem Zurückhalten von Informationen zu finden.
Für Frauen in Kommunikationsrollen kommen manchmal strukturelle Barrieren hinzu – etwa die Unterschätzung der Kommunikationsarbeit gegenüber „harter" Forschung. Auch dieses Vorurteil braucht Zeit und Vertrauensbildung, um aufgelöst zu werden.
Eine weitere Hürde besteht darin, die richtigen "Sprachen" in der Kommunikation für verschiedene Zielgruppen zu finden. Zum Beispiel eine korrekte und prägnante Verwendung von Fachbegriffen für ein professionelles Fachpublikum, und das Übersetzen dieser Komplexität für eine breitere Öffentlichkeit oder für jüngere Zielgruppen.
Hast du Tipps?
Kommunikation in EU-Projekten kann viele "Anlaufschwierigkeiten" haben, insbesondere in der internen Zusammenarbeit, aber es lohnt sich, hartnäckig zu bleiben, Vertrauen im Konsortium aufzubauen, und letztlich mit Ergebnissen auch Projektpartner zu überzeugen - und für Kommunikation zu begeistern!
Das Gleiche gilt für das Publikum, das man erreichen möchte. Hier lohnt es, sich Experimentierzeit zu lassen, die richtige Dynamik zu finden und verschiedene Formate des Engagements auszuprobieren, kommunikationsoffene Vermittler für verschiedene Zielgruppen zu finden und auch in Inhalt und Sprache den richtigen Ton zu treffen.
Gibt es Beispiele, die anschaulich zeigen, wie das Steinbeis Europa Zentrum Projekte sichtbar macht?
Bei Kommunikation denken vermutlich die meisten Menschen in erster Linie an Social Media und an klassische Printmedien. Das Schöne an meiner Arbeit ist aber, dass ich Kommunikation sehr vielfältig umsetzen kann.
Für das Logistik-Projekt ADMIRAL haben wir beispielsweise verschiedene Webseminare organisiert oder sind als Referenten in Webseminaren von Logistik Organisationen dabei gewesen. Dadurch bekamen wir einen besseren Blick auf die praktischen Herausforderungen, die sich gerade für kleinere Unternehmen in der Umsetzung von EU-Regulierungen ergeben.
Für MAGICIAN, ein Robotik-Projekt mit stark technischem Fokus, habe ich das Projekt bei einem lokalen Event im Pecha Kucha Stil präsentiert, einer Technik, bei der ich für 20 Folien jeweils nur 20 Sekunden Zeit zu sprechen hatte. Solche Formate helfen auch mir als Sprecherin dabei, Kommunikationsmuster aufzubrechen, auf den Punkt zu kommen und die Projektinhalte kreativ und prägnant zu vermitteln.

Ich denke, dass neue Formate und eine prägnante Umsetzung sowohl uns als BotschafterInnen mehr Lust an Kommunikation machen, als auch ein Publikum mitreißen können, das müde von langatmigen Vorträgen und Buzzwords ist. Ich bin überzeugt, dass ein Publikum auch in dieser Hinsicht wieder ernst genommen werden muss.
Kontaktieren Sie uns!
- Tel: +49 721 935191 17
- E-Mail: jacqueline.fritz@steinbeis-europa.de
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