MASTT2040Roadmap für die Fertigungsindustrie - Steinbeis Europa Zentrum brachte seine Expertise in den Bereichen Zukunftsforschung und Ökosystemen in das EU-Projekt MASTT2040 ein

Sabine Hafner-Zimmermann moderiert Roadmapping-Workshop

Europa befindet sich inmitten zweier großer miteinander verbundener Transformationen, die durch die Digitalisierung und die Notwendigkeit, nachhaltiger und resilienter zu werden, angetrieben werden. Diese Veränderungen haben bereits erhebliche Auswirkungen auf die europäische Fertigungsindustrie: Sie führen zu einer stärker digitalisierten Produktion und neuen Geschäftsmodellen wie „Manufacturing as a Service“. Gleichzeitig führt der Wandel hin zu klimaneutraler, kreislauforientierter und resilienter Produktion zu grundlegenden Veränderungen in der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Produkten. Diese grundlegenden Veränderungen stellen die vorherrschenden linearen Ansätze zentralisierter Fertigung infrage.

Daher untersuchte das EU-Projekt MASTT2040, wie dezentrale MaaS-Ansätze von der Industrie genutzt werden können, um die Produktion flexibler, effizienter und resilienter zu gestalten. Gleichzeitig lag ein Augenmerk darauf, wie im produzierenden Gewerbe Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeitsaspekte und stärker menschenzentrierte Ansätze aktiver genutzt werden können, zum Wohle von Wirtschaft und Gesellschaft in Europa und weltweit.

MASTT2040 war von strategischer Bedeutung für die Europäische Kommission und untersuchte, wie Ansätze zur Förderung von „Manufacturing as a Service“ (MaaS) zum Vorteil der gesamten europäischen Industrie vorangetrieben werden können. Dafür kamen verschiedene partizipative und zukunftsorientierte Methoden und Werkzeuge zum Einsatz, um ein stimmiges und realistisches Bild zu zeichnen und gleichzeitig bestehende Annahmen zur Zukunft der Fertigung zu hinterfragen. Auf dieser Grundlage geben die sechs Projektpartner konkrete Empfehlungen, wie MaaS in den kommenden Jahren zum Nutzen der europäischen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt gefördert werden kann.

Als wichtiger strategischer Projektpartner brachte das Steinbeis Europa Zentrum seine Expertise in den Bereichen Zukunftsforschung und Entwicklung von Ökosystemen ein. Es koordinierte die Roadmapping-Aktivitäten und wirkte an der Entwicklung von Szenarien und Empfehlungen für die Industrie mit. Ein wichtiger Bestandteil war dabei die Identifizierung und Vernetzung relevanter Akteure aus verschiedenen europäischen Fach-Communities, in denen das Steinbeis Europa Zentrum aktiv ist, wie etwa Factories of the Future (EFFRA), Advanced Data and Robotics (ADRA), Manufacturing Data Spaces und das Netzwerk der europäischen Digitalen Innovationszentren (EDIHs), um einen effektiven Wissensaustausch zwischen Projekten und Initiativen zu ermöglichen.

Projektergebnisse

Im Rahmen von MASTT2040 wurden verschiedene Methoden der strategischen Vorausschau angewendet, wichtige Akteure aus den Bereichen MaaS, Standardisierung und Kreislaufwirtschaft wurden eingebunden. Die Aktivitäten der Studie waren folgende:

  • „Scanning and Scoping“: Analyse und Identifikation bestehender Best Practices von MaaS-Ansätzen, um die Kreislauffähigkeit, Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit der industriellen Produktion voranzubringen. Dazu wurde ein umfassendes Casebook erstellt, das reale industrielle Anwendungsfälle veranschaulicht.
  • „Envisioning and Reframing“: Sammlung von zukünftigen Entwicklungen und Trends für die Fertigungsindustrie sowie relevanter wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und ökologischer Aspekte, die von den Workshop-Teilnehmenden als besonders bedeutsam eingeschätzt wurden. Daraus entstanden vier Zukunftsszenarien, die aufzeigen, wie sich MaaS bis 2040 entwickeln könnte mit Fokus auf mehr menschenzentrierte Innovation und resilienter, nachhaltiger, datenbasierter Produktion.
  • Auf der Grundlage der in den vorangegangenen Projektphasen gesammelten Informationen wurde in der dritten Phase „Strategizing and Planning“ eine Roadmap für die europäische Fertigungsindustrie entwickelt. Die Roadmap zeigt auf, wie das MaaS-Konzept genutzt werden kann, damit die europäische Fertigungsindustrie wettbewerbsfähiger und gleichzeitig kreislauforientierter und nachhaltiger wird und die Bedürfnisse der Beschäftigten besser berücksichtigt. Die Roadmap entstand in zwei interaktiven Workshops, in denen eine Vision für das Jahr 2040 erarbeitet sowie ein Maßnahmenplan und Empfehlungen für die Industrie und Politik zur kurz-, mittel- und langfristigen Umsetzung formuliert wurden.
  • In der finalen Projektphase „Sensemaking and Recommendations“ wurden die Standardisierungsbedarfe der Fertigungsindustrie umfassend analysiert, insbesondere im Hinblick auf die Rolle von Daten, da diese für MaaS von zentraler Bedeutung sind. Daraus entstand der Bericht „Empfehlungen zur Datenstandardisierung in der Fertigungsindustrie“, der Politik, Standardisierungsexperten und Unternehmen Vorschläge liefert, wie durch passgenaue Standardisierungsaktivitäten die Einführung von MaaS in der Industrie erleichtert werden kann.

Im Verlauf des Projekts sowie bei der Abschlussveranstaltung im Oktober 2025 in Brüssel wurde deutlich, dass das Thema MaaS für Industrie und Politik von großer Bedeutung ist. Die erarbeiteten Projektergebnisse werden dazu beitragen, die Verbreitung von MaaS und den Erfolg der europäischen Fertigungsindustrie zu unterstützen sowie die Bedeutung und den Nutzen kreislauforientierter, nachhaltiger und menschenzentrierter Ansätze in und für Europa zu erhöhen.

MASTT2040 wurde von der EU über das Forschungs- und Innovationsförderprogramm Horizon 2020 mit 971.087 Euro von Januar 2024 bis Dezember 2025 gefördert. Die Projektpartner waren Steinbeis Europa Zentrum, DE; Sirris, BE; Cluster COMET, IT; PARP, PL; THHINK BV, NL; 4CF The Futures Literacy Company, PL

Links

MASTT2040 Project - Mastt2040

„Ich schätze den praxisorientierten partizipativen Ansatz, den Steinbeis bei der MASTT2040-Roadmap sehr professionell umgesetzt hat. Steinbeis ermöglichte es den Teilnehmern, ihre Ideen einzubringen und von den Erfahrungen anderer zu profitieren, während wir gemeinsame Visionen für eine erfolgreiche und nachhaltige Zukunft der Fertigungsindustrie in Europa entwickelten. Diese Erkenntnisse leisten einen sehr wertvollen Beitrag, den ich auch für die Erarbeitung der EFFRA- und Made In Europe-PPP-Roadmaps nutzen werde, die in das nächste EU-Förderprogramm einfließen werden.“

Riikka Virkkunen, Professor of Practice VTT (Technical Research Centre of Finland), EFFRA Board Member

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