EU-ForschungsrahmenprogrammMit EU-Projekten Europas Zukunft gestalten und sichern - Ausblick auf das nächste EU-Forschungsrahmenprogramm

1. Oktober 2025

Autorinnen: Dr. Petra Püchner, Europabeauftragte der Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg und Sophia Dittes, Steinbeis Europa Zentrum

Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Baden-Württemberg setzen bisher verstärkt auf regionale Förderprogramme – und verpassen damit die großen Chancen europäischer Projekte. Mit Horizont Europa 2028–2034 stellt die EU rund 175 Milliarden Euro für Forschung und Innovation bereit. Schon jetzt (2025-27) fließen Miliarden in Klima, Energie und Mobilität. Warum sich gerade jetzt der Schritt nach Brüssel lohnt, lesen Sie in diesem Beitrag.

Europa befindet sich im Umbruch in einer zunehmend unsicheren und instabilen Welt. In ihrer Rede zur Lage der Union am 10. September 2025 betonte Ursula von der Leyen: „Europa darf nicht nur verwalten, es muss gestalten.“ Sie macht klar: Europa muss in Schlüsselbereichen wie Künstlicher Intelligenz, Halbleiter oder sauberer Energien technologisch und strategisch unabhängiger und wettbewerbsfähiger werden. Für Baden-Württemberg bedeutet das eine besondere Verantwortung – und Chance: KMU, Hidden Champions und innovativen Cluster des Landes können maßgeblich dazu beitragen, dass Europa seine Ziele erreicht – und zugleich ihre eigene Zukunft sichern und selbst in die Hand nehmen.

Vom Rückzug in die Region zur aktiven Mitgestaltung

Im Gespräch mit Mittelständlern in Baden-Württemberg hören wir oft denselben Satz: „EU-Projekte sind doch nur etwas für die Großen.“ Diese Haltung ist nachvollziehbar, doch sie verstellt den Blick auf die Chancen. Denn wer EU-Projekte meidet, verzichtet auf teils erhebliche Fördermittel, Zugang zu Innovationsnetzwerken und internationale Sichtbarkeit.

Wir erleben regelmäßig, dass Unternehmen, die sich zum ersten Mal in ein Konsortium wagen, überrascht sind, wie viel Mehrwert in der Zusammenarbeit steckt: neue Ideen entstehen, Märkte öffnen sich, Kooperationen mit Forschungseinrichtungen und Industriepartnern werden zum Türöffner für wirtschaftlichen Mehrwert.

2025–2027: Kurzfristige Chancen nutzen

Der Blick nach Brüssel lohnt sich nicht nur langfristig. Schon im Rahmen des aktuellen Förderprogramms (Horizont Europa 2021-27) investiert die EU in den kommenden zwei Jahren über 3 Milliarden Euro in Klima, Energie und Mobilität. Dazu zählen Batterierecycling, erneuerbare Kraftstoffe, Lithium aus Geothermie, KI-gestützte Energiemanagementsysteme, nachhaltige Schwerlastfahrzeuge, Photovoltaik-Kreisläufe, neue Speichertechnologien und industrielle Abwärmenutzung.

Für KMU in Baden-Württemberg sind das direkte Anknüpfungspunkte: Maschinenbau, Automatisierung, KI oder Energietechnik aus dem Südwesten passen perfekt in diese Themenfelder. Wer frühzeitig in Konsortien einsteigt, kann Fördermittel sichern, internationale Partner gewinnen und neue Märkte erschließen.

Horizont Europa 2028–2034: Neue Dimensionen

Mit dem kommenden Forschungsrahmenprogramm Horizont Europa 2028–2034 (FP10) wird die EU rund 175 Milliarden Euro bereitstellen – zumindest auf dem Papier fast doppelt so viel wie bisher. Für Baden-Württemberg ist das ein klares Signal: Die Themen, auf die sich die EU konzentriert, decken sich mit den Stärken des Landes. Automotive, Maschinenbau, Life Sciences, Künstliche Intelligenz, GreenTech und Energiewende – überall dort, wo unsere Unternehmen Exzellenz anbieten, wird die EU in den nächsten Jahren besonders investieren.

Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission machte in ihrer Rede zur Lage der Union am 10. September 2025 deutlich, dass Europa in diesen Schlüsselbereichen nicht nur aufholen, sondern selbst Maßstäbe setzen müsse. Baden-Württembergische KMU können genau das liefern: spezialisierte Technologiekompetenz, Innovationskraft und die Fähigkeit, marktfähige Lösungen in kurzer Zeit zu entwickeln und umzusetzen. Hier bietet das kommende Rahmenprogramm, wie auch schon derzeit das Programm Horizont Europa, erstklassige Möglichkeiten, dies auch in der Kooperation mit europäischen und internationalen Partnern gemeinsam zu tun – so kann Baden-Württemberg und die EU zeitgleich profitieren und Stärke zeigen.

Baden-Württemberg als europäische Leitregion

Das Innovationsökosystem im Südwesten ist einzigartig: Cluster wie das Cyber Valley (KI), der KI-Park ‘IPAI’, die BioRegio STERN (Life Sciences) oder die Wasserstoffregion Süddeutschland verbinden Wissenschaft und Wirtschaft auf Augenhöhe. Ergänzt durch die vielen Hidden Champions des Mittelstandes ergibt sich eine Basis, die europaweit ihresgleichen sucht.

Aus unserer täglichen Arbeit wissen wir: Entscheidend ist, dass KMU nicht nur als Zulieferer in EU-Konsortien eingebunden werden, sondern auch Leitungsrollen entlang der Wertschöpfungsketten übernehmen. Dafür braucht es Mut, aber auch Unterstützung bei Eigenmitteln und administrativen Fragen. Gleichzeitig zeigt sich, dass Unternehmen, die diesen Schritt gehen, langfristig profitieren – weil sie sichtbarer, innovativer und besser vernetzt sind.

Innovation, Arbeitsplätze und Attraktivität

Investitionen in Forschung und Technologie sind mehr als ein politisches Programm – sie sind gelebte Realität und wirken direkt in die Betriebe hinein. Gerade in Zeiten, in denen große Konzerne Personal abbauen, berichten uns viele KMU, dass sie neue Bewerbungen von Fachkräften erhalten, die internationale Projekterfahrung mitbringen. Das steigert nicht nur die Innovationskraft der Unternehmen, sondern macht sie auch als Arbeitgeber attraktiver.

Fazit – Potenzial und Angebot sind riesig

Die kommenden Jahre sind entscheidend. Baden-Württembergische KMU haben die Möglichkeit, ihre Innovationskraft mit europäischer Schlagkraft zu verbinden. Schon die aktuelle Horizon-Förderperiode 2021–2027 eröffnet unmittelbare Chancen, während FP10 ab 2028 langfristige Perspektiven bietet.

Wer EU-Projekte nutzt, sichert sich nicht nur höhere Fördermittel und internationale Netzwerke, sondern gestaltet Europas Zukunft aktiv mit. Oder, wie uns ein Unternehmer kürzlich sagte: „Ich hätte nie gedacht, dass wir als 40-Mann-Betrieb einmal Teil eines europäischen Zukunftsprojekts werden. Heute würde ich sofort wieder einsteigen.“

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die Zurückhaltung abzulegen und den Schritt nach Brüssel zu wagen – denn ohne die Innovationskraft und den Industriemotor des Südwestens wird Europa seine technologische Führungsrolle nicht behaupten können und zunehmend im globalen Wettbewerb unter wirtschaftlichen und somit auch sozialen Druck geraten.

Weitere: Informationen:

Rede von Präsidentin von der Leyen zur Lage der Union 2025

Fact Sheet Horizont Europe 2028-2034

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