EU-Projekt NetworkNature PlusMarktzugang für Naturbasierte Lösungen - Steinbeis Europa Zentrum stimuliert mit Business Forum Kooperationen
Naturbasierte Lösungen werden von der Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA) wie folgt definiert: „Maßnahmen zum Schutz, zur Erhaltung, Wiederherstellung, nachhaltigen Nutzung und Bewirtschaftung natürlicher oder veränderter Land-, Süßwasser-, Küsten- und Meeresökosysteme, die soziale, wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen wirksam und anpassungsfähig angehen und gleichzeitig menschliches Wohlergehen, Ökosystemdienstleistungen, Widerstandsfähigkeit und Biodiversität fördern“.
Die Maßnahmen reichen von begrünten Wänden bis hin zu groß angelegten Projekten wie der Schaffung städtischer Ökosysteme. Allen naturbasierten Lösungen ist gemeinsam, dass sie sowohl für die Umwelt als auch für die Menschen Vorteile bringen und oft gemeinsam mit den Endnutzern und anderen relevanten Interessengruppen entwickelt werden. Sie haben gleichzeitig ökologische, wirtschaftliche und soziale Vorteile.
Als Partner in den EU-Projekten NetworkNature Plus und Invest4Nature möchten das Steinbeis Europa Zentrum und Partner die Umsetzung von naturbasierten Lösungen in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Praxis durch Maßnahmen des Up-Scalings beschleunigen. Unter anderem haben sie eine interaktive "Karte" der NbS-Projektlandschaft entwickelt, die einen Überblick über Themen, Ergebnisse und Zusammenhänge bietet.
Nature Based Solutions Business Forum
Unser Kollege Chrispin Sanga, Projektpartner im EU-Projekt NetworkNature Plus, nahm am 23. bis 24. Oktober 2025 am European Business & Nature Summit (EBNS) in Helsinki teil. Auf dem Gipfel präsentierte er das Nature Based Solutions Business Forum des EU-Projekts NetworkNature Plus. Der EBNS brachte Führungskräfte aus Wirtschaft, Finanzwesen und Politik zusammen, um zu erörtern, wie die Natur die Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit fördern kann. Die drei Hauptthemen waren: Maßnahmen der Wirtschaft, Kreislauf- und Bioökonomie sowie Biodiversitätsfinanzierung.

Wir haben Chrispin zu den Marktchancen von NBS gefragt.
Was sind die größten Herausforderungen bei der Markteinführung naturbasierter Lösungen, und wie geht das Projekt NetworkNature Plus mit den Themen Finanzierung, Skalierbarkeit und Einbindung von Interessengruppen um?
Die größte Herausforderung besteht darin, Investitionen in naturbasierte Lösungen aus privaten Quellen zu erschließen. Investitionen werden oft durch institutionelle Hindernisse wie Beschaffungsvorschriften, inkonsistente Politik und kontraproduktive Subventionen behindert. Die Förderung durch private Finanzierungen haben seit langem Priorität. Allerdings spielen auch öffentliche Mittel eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Garantien, Koinvestitionen und der Risikominderung.
Welche spezifische Rolle spielt das Steinbeis Europa Zentrum im Projekt NetworkNature Plus, und wie trägt es zur Entwicklung naturbasierter Lösungen bei?
Das Steinbeis Europa Zentrum spielt in dem Projekt zwei wichtige Rollen. Erstens unterstützen und koordinieren wir die Task Force 3, in der rund 30 Horizon Europe-Projekte zum Thema NbS-Finanzierung und Geschäftsmodelle zusammengeführt werden. Zweitens ist Steinbeis für die Einrichtung und Verwaltung des NbS Business Forum verantwortlich, einem Kooperationsraum innerhalb der Initiative NetworkNature. Das Forum verbindet verschiedene Interessengruppen, von KMU und naturbasierten Unternehmen bis hin zu größeren Unternehmen und Investoren, mit dem Ziel, die Marktakzeptanz von NbS-Lösungen zu beschleunigen. Dies wird durch den Austausch von Möglichkeiten, Maßnahmen zum Kapazitätsaufbau und den Wissensaustausch erreicht.
Vom 26.-28. November 2025 wird Steinbeis auf der Jahreskonferenz des Enterprise Europe Network in Aalborg, Dänemark eine Sitzung zu NBS moderieren und Toolkits und wichtige Ressourcen für kleine und mittlere Unternehmen aus Europa vorstellen. Die Teilnehmenden können dann innerhalb ihrer Netzwerke zur Einführung von NbS beraten und so durch „Train-the-Trainer“-Aktivitäten einen Multiplikatoreffekt erzielen, der eine breite Verbreitung von Wissen und Ressourcen über naturbasierte Lösungen für KMU gewährleistet.
Wie organisiert Ihr die Vermittlung zwischen den Unternehmen?
Das NbS Business Forum ist eine Matchmaking-Plattform und dient als Treffpunkt für verschiedene Akteure. Es bringt sowohl die Nachfrage- als auch die Angebotsseite des NbS-Marktes zusammen, darunter KMU, naturbasierte Unternehmen, größere Unternehmen und Investoren. Es fördert den Informationsaustausch, den Kapazitätsaufbau und Kooperationen.
Wenn beispielsweise eine Investitionsmöglichkeit oder eine relevante Veranstaltung im Forum aufgeführt wird, können KMU und naturbasierte Unternehmen diese als geeignete Gelegenheit erkennen, sinnvolle Verbindungen knüpfen und die Umsetzung von NbS-Initiativen beschleunigen. Durch diese Aktivitäten fördert das Forum die Einführung von NbS sowohl in kleinen als auch in großen Unternehmen.
Wie können Unternehmen am Business Forum mitwirken?
Aktuell liegt der Schwerpunkt auf der Registrierung von KMU und naturbasierten Unternehmen, während gleichzeitig größere Unternehmen und Investoren einbezogen und eingebunden werden. In naher Zukunft wird die Plattform um den Austausch von Möglichkeiten, die Organisation von Webseminaren und gezielte Maßnahmen zum Kapazitätsaufbau erweitert, um die Einführung von NbS-Lösungen in ganz Europa voranzubringen.
Wie verbindet das Projekt Wirtschaft und Politik?
Im Rahmen der NetworkNature Task Force 3 zu Finanz- und Geschäftsmodellen für NbS und des Invest4Nature-Projekts wurde die Publikation „Policy imperatives for a competitive and resilient nature-positive economy“ entwickelt. Sie stützt sich auf Forschungs- und Innovationsergebnisse aus 44 EU-finanzierten F&I-Projekten und zeigt politische Erfordernisse und Handlungsempfehlungen für eine wettbewerbsfähige und widerstandsfähige naturpositive Wirtschaft (NPE) auf.
Die Autoren weisen darauf hin, dass der Verlust von Natur sowohl ein ökologisches als auch ein finanzielles Risiko darstellt. Über zwei Drittel der Wertschöpfung in der EU hängen von der Natur ab, während 75 % der Bankkredite im Euroraum mit naturabhängigen Unternehmen verbunden sind. Der Übergang zu einer naturpositiven Wirtschaft könnte bis 2030 jährliche Geschäftsmöglichkeiten im Wert von 10 Billionen US-Dollar erschließen und 400 Millionen Arbeitsplätze schaffen. Der Bericht fordert einen transformativen Wandel in den Wirtschafts- und Finanzsystemen Europas, bei dem Natur und Biodiversität in den Mittelpunkt der Finanz-, Industrie- und Wettbewerbspolitik gestellt werden.

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