Effectuation MethodeInnovation ist mehr als nur eine Idee – erst die praktische Umsetzung macht sie wirksam. Wie das gelingt? Mit der Effectuation-Methode!

20. August 2025

Wie Effectuation die Zukunft mitgestaltet

Autorinnen: Dr. Clémentine Roth und Katharina Riedmüller, Steinbeis Europa Zentrum

Innovation ist heute wichtiger denn je. Doch wie wird aus einer Idee eine Innovation? Eine Idee führt erst dann zu einer Innovation, wenn sie funktioniert – und im Markt besteht. Eine gute Idee allein reicht also nicht. Entscheidend ist, ob sie sich in der Praxis bewährt! Dafür sind flexible Denkweisen gefragt. Methoden wie Effectuation setzen genau hier an.

Der Begriff Effectuation stammt vom Englischen „to effectuate“ – also „etwas in Gang setzen“. Die Methode baut auf vorhandenen Ressourcen und Netzwerken auf – und eröffnet so neue Wege für Innovation. Man arbeitet mit dem, was bereits da ist (Fähigkeiten, Kontakte, Erfahrungen, Werkzeuge), statt auf perfekte Bedingungen zu warten. So entsteht ein pragmatischer Weg von der Idee zur Lösung – mit besonderem Mehrwert für kleine und mittlere Unternehmen, wie sie in Baden-Württemberg stark vertreten sind.

Trotz ihrer hohen Praxisrelevanz ist Effectuation bislang wenig bekannt – vielleicht, weil der Begriff sperrig wirkt. Dabei nutzen viele Betriebe diese Herangehensweise bereits intuitiv. Ein Beispiel aus der Region: Die PONG.Li Studios, ein innovatives Film- und Medienunternehmen mit Sitz in Karlsruhe, wendet Effectuation gezielt an. In enger Zusammenarbeit mit ihren Kund*innen entwickelt sie kreative Lösungen, die nicht nur originell, sondern auch praktisch umsetzbar sind – von interaktiven Installationen über digitale Medienformate bis hin zu immersiven Erlebnissen.

Wie Effectuation konkret funktioniert, lernten Akteur:innen aus der Tourismus- und Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg bei der Storytelling Masterclass, die im Januar 2025 in Karlsruhe stattfand – organisiert vom Steinbeis Europa Zentrum und PONG.Li Studios im Rahmen des EU-Projekts Capacity2Transform. Die Teilnehmenden aus der Region, darunter ein Mediengestalter aus Freudenstadt und eine Künstlerin der GEDOK - der älteste und größte Künstlerinnenverband Deutschland – wendeten die Effectuation Methode an eigenen Projekten an, unter der Leitung von den PONG.Li Studios. Dieser und weitere Workshops wurden kostenfrei für Unternehmen aus Baden-Württemberg angeboten.

Was ist Effectuation? Ein Perspektivwechsel für die Problemlösung und Impuls für baden-württembergische KMU

Effectuation ist ein unternehmerischer Denkansatz, entwickelt von der Wirtschaftswissenschaftlerin Saras Sarasvathy. In ihrer Forschung untersuchte sie, wie erfolgreiche Unternehmer:innen Entscheidungen treffen – und stellte fest: Sie starten selten mit einem starren Ziel. Statt sich zum Ziel zu setzen, wie z.B. „eine spezifische neue Software entwickeln“, beginnen sie mit einem Blick auf das, was bereits vorhanden ist – ihre Ressourcen, ihr Wissen, ihr Netzwerk. Erst danach leiten sie daraus mögliche Handlungsoptionen ab und formulieren flexible Ziele, die sich im Verlauf des Prozesses weiterentwickeln und anpassen lassen.

Anstatt also zu fragen…

„Wie erreiche ich ein bestimmtes Ziel?“

lautet die Frage…

„Was kann ich mit dem, was mir zur Verfügung steht, erreichen?“

Dieser Perspektivwechsel führt zu Lösungen, die nicht nur praxisnäher, sondern oft auch kreativer sind. Besonders in Fragen der Digitalisierung oder Nachhaltigkeit kann Effectuation helfen, komplexe Herausforderungen flexibler und wirkungsvoller zu meistern.

Die fünf Fragen der Effectuation

Effectuation basiert auf fünf zentralen Prinzipien, die Unternehmen, Kreative und Gründer:innen bei der Entwicklung neuer Ideen unterstützen. Auch Sie können diese Schritte anwenden:

  1. Bird-in-Hand – Nutze, was da ist!

Anstatt auf perfekte Bedingungen zu warten, starten erfolgreiche Innovator:innen mit den Ressourcen, die ihnen bereits zur Verfügung stehen.

Beispiel: Ein Unternehmen will seine Inhalte interaktiver gestalten, hat aber kein Budget für aufwendige Technik. Stattdessen nutzt es vorhandene digitale Tools und Partnerschaften, um ein besonderes Erlebnis zu schaffen.

Stellen Sie sich die Frage: Welche Ressourcen stehen mir zur Verfügung , z.B. Kapital, Fähigkeiten, Partnerschaften, Kontakte?

  1. Affordable Loss – Begrenze Risiken!

Große Investitionen sind riskant – daher arbeiten Effectuation-Anwender:innen mit kleinen, kontrollierbaren Schritten.

Beispiel: Ein Museum möchte digitale Erlebnisse für Besucher schaffen, startet aber erst mit einer einfachen Augmented-Reality-App, bevor es eine komplette digitale Strategie ausrollt.

Stellen Sie sich die Frage: Welchen Verlust kann ich im schlimmsten Fall verkraften? Wie viel kann ich maximal investieren?

  1. Crazy Quilt – Kooperationen aufbauen basierend auf Vertrauen

Erfolgreiche Projekte entstehen oft aus Partnerschaften und überraschenden Kooperationen zwischen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven.

Beispiel: Ein Unternehmen entwickelt ein interaktives Ausstellungsprojekt nicht allein, sondern gemeinsam mit Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und lokalen Expert:innen.

Stellen Sie sich die Frage: Welche Beziehungen und Partnerschaften habe ich bereits? Wo kann ich neue Partnerschaften knüpfen? Wer könnte ein Interesse daran haben, mit mir zusammen zu arbeiten? Wen spreche ich an und wer macht mit?

  1. Lemonade – Nutzen Sie Überraschungen als Chancen!

Anstatt sich von unvorhergesehenen Hindernissen ausbremsen zu lassen, nutzen Effectuation-Anwender:innen sie als kreative Impulse. Ich habe keine Angst vor Hindernissen, sondern versuche sie zu nutzten und von ihnen zu lernen.

Beispiel: Während der Entwicklung eines digitalen Spiels stellt sich heraus, dass die Zielgruppe ganz anders reagiert als erwartet – das Team passt das Konzept an und macht genau diesen Aspekt zum Alleinstellungsmerkmal.

Stellen Sie sich die Frage: Was ist es genau für ein Hindernis und was ist die Ursache? Was kann ich aus dem Problem lernen? Wie kann ich auf das Problem reagieren und es nicht nur bereinigen, sondern sogar nutzten?

  1. Pilot-in-the-Plane – Gestalten sie die Zukunft aktiv!

Die Zukunft ist nicht vorherbestimmt – wir können sie mit unseren Entscheidungen beeinflussen. Man kann die Zukunft aktiv mitgestalten. Dafür ist es entscheidend, das Produkt immer wieder zu überarbeiten, alles zu überdenken und aktiv zu bleiben.

Beispiel: Anstatt auf neue Technologien zu warten, entwickelt ein Start-up ein einfaches, aber funktionierendes System, das bestehende Lösungen clever kombiniert.

Stellen Sie sich die Frage: Welche Verbesserungen kann ich vornehmen? Wie kann ich das Ganze effizienter und besser machen? Gibt es noch Einsatzmöglichkeiten, die ich bisher außer Acht gelassen habe?

Effectuation bei PONG.Li: Das preisgekrönte Projekt Pixelwave

Ein gutes Beispiel dafür, wie PONG.Li die Prinzipien der Effectuation in der Praxis nutzt, ist die preisgekrönte Projektionsinstallation Pixelwave.

Die Ausgangssituation

Ein Kunde hatte den Wunsch, eine coole Installation für eine große Betonwand zu schaffen. Doch anstatt sofort eine Projektion zu realisieren, wurde der Prozess mit den zentralen Fragen der Effectuation durchdacht:

  • Bird-in-Hand Welche Ressourcen stehen zur Verfügung? Wie lässt sich die vorhandene Fläche ideal nutzen?
  • Crazy Quilt Welche Partner und Technologien können eingebunden werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen?
  • Lemonade Welche kreativen Möglichkeiten entstehen, wenn man die physische Struktur der Wand als Teil des Designs betrachtet?

Das Ergebnis

Pixelwave entstand durch einen Prozess, bei dem das Team kontinuierlich auf vorhandene Ressourcen und Partner zurückgriff und das Konzept immer wieder an die Gegebenheiten anpasste. So wurde die Betonwand nicht einfach nur projiziert, sondern die physische Struktur gezielt in das Design integriert. Das Ergebnis ist eine Projection-Mapping-Installation, die Raum und Technik effektiv verbindet und die vorhandenen Möglichkeiten optimal nutzt.

Hier können Sie mehr über PixelWave erfahren: PixelWave

Warum sollten Unternehmen Effectuation ausprobieren?

Effectuation hilft Ihnen, flexibel zu bleiben, Innovationen Schritt für Schritt und mit überschaubaren Risiken voranzutreiben – und dabei oft ungenutzte Potenziale zu entdecken.

Nutzen Sie die Effectuation-Methode für Ihr nächstes Projekt: Stellen Sie sich die zentralen Fragen dieser Herangehensweise und öffnen Sie so den Raum für neue, kreative Lösungen. Dieser Perspektivwechsel kann aus einer einfachen Idee einen erfolgreichen und nachhaltigen Innovationsprozess machen.

Die fünf Schritte der Effectuation kurz zusammengefasst:
Anstatt mit einem festen Ziel zu starten, beginnt man mit einem Bedürfnis oder einer groben Richtung und entwickelt daraus flexibel passende Lösungen:

  • Bird-in-Hand Welche Ressourcen haben Sie?
  • Affordable Loss Welches Risiko können Sie tragen?
  • Crazy Quilt Wer könnte Partner sein?
  • Lemonade Nutzten sie unerwartete Probleme als Chancen.
  • Pilot-in-the-Plane Passen sie den Kurs bei Bedarf immer wieder an.

Sie wollen die Effectuation Methode kennenlernen und in Ihrem Unternehmen einsetzen? Kontaktieren Sie Pong.Li Studios.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Media Factory veröffentlicht (Doro von Holtey, PONG.Li Studios und Ana Ban, IRI Centar). Im Rahmen des Capacity2Transform-Projekts übernimmt Media Factory eine zentrale Rolle bei der Verbreitung von Wissen und innovativen Ansätzen – insbesondere in den Kultur- und Kreativbranchen sowie bei Unternehmen im Bereich des nachhaltigen Tourismus.

Weitere Informationen zum Projekt Capacity2Transform finden Sie auf der Projektwebsite, der Website des Pilotprojekts in Baden-Württemberg oder auf LinkedIn.

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